Freitag, 23. Mai 2014

Dancer l'identité: Sardana (2)

Als wir unserer Gastfamilie von unseren Recherchen zum Sardana, dem traditionellen katalanischen Tanz, erzählen, berichtet unser neunjähriger Gastbruder, dass er den Sardana-Tanz in der Schule gelernt hat und bald einen Tanzauftritt im Palais des rois de Majorque, dem Palast der Könige von Mallorca, haben wird. Er fragt uns, ob wir Lust haben mitzukommen, ein Angebot das wir sehr gerne annehmen.
Um 10 Uhr morgens treffen wir am Palast ein und stoßen bei atemberaubender Kulisse auf viele neugierig wartende Eltern, Großeltern und Touristen. Unterschiedliche Klassen von zwei Schulen wollen unter Beweis stellen, was sie in den letzten Monaten gelernt haben: Sardana tanzen.
Hierzu haben die teilnehmenden Schüler sich in traditionelle Schale geworfen: Sie tragen die barretina, eine Kopfbedeckung, die faixe (Gürtel) und die bigatanes, spezielle Tanzschuhe. Sogar eine cobla, die traditionelle Kapelle aus elf oder zwölf Blasinstrumenten, begleitet die Tanzenden. Besonders beeindruckend ist der flabiol Spieler, der neben der traditionellen Einhandflöte gleichzeitig auf dem Tambori den Rhytmus angibt. Die Stücke sind alle von den Musikern selbst komponiert und einer hat erst kürzlich hierfür als erster aus Perpignan eine wichtige Auszeichnung erhalten.
Zunächst laufen alle in einer Art Galopp ein und positionieren sich in Kreisen. Mädchen und Junge im Wechsel wird sich nun an den Händen gefasst gemeinschaftliche getanzt. Das erinnert zunächst ein bisschen an den Tanz, den man zum deutschen Schlager "Dschinghis Khan" des öfteren sieht, wird aber zunehmend komplexer. Zum Schluss werden auch die Eltern und anderen Begleiter eingeladen mitzutanzen, sodass auch wir zu unserer ersten Sardana-Tanzstunde kommen.


Montag, 19. Mai 2014

Dancer l'identité: Sardana (1)


Identität kann auch getanzt werden. Der traditionelle Tanz der Katalanen heißt Sardana. Er wird mindestens seit dem 16. Jahrhundert getanzt und ist vor allem in den Abendstunden ab und zu in der Innenstadt Perpignans zu sehen.

Sardana gibt es in unterschiedlichen Variationen, die Teilweise sehr komplex sind. Meist trägt man dazu die bigatanes, spezielle Tanzschuhe. Im spanischen Teil Kataloniens war der Sardana zu Zeiten Francos als katalanisches Symbol sogar verboten. Musikalisch begleitet wird der Tanz von der cobla, einer 11 oder 12-köpfigen Blaskapelle.
Praktische Einblicke in die Welt des Sardana (aber auf der spanischen Seite Kataloniens) bietet ein unterhaltsames Video des Auslandsjournals:


Samstag, 17. Mai 2014

Procession de la Sanch et Focs de Sant Joan

Auf die Frage nach traditionellen katalanischen Festen weist uns unsere Gastmutter darauf hin, dass wir grade zum falschen Moment in Perpignan angekommen sind. So findet unsere Reise in der katalanischen Hochburg Frankreichs genau zwischen den zwei großen katalanischen Festen statt.
Begeistert schwärmt sie von dem Osterzeremonie, dem wohl größten Touristenspektakel in Perpignan. Wir haben darüber schon etwas im Deutschlandradio gehört: In Ku-Klux-Klan ähnlichen Spitzkappen (genannt Capatrutxa) laufen mehr als 1 000 Teilnehmer durch die Straßen Perpignans bis zur Kathedrale, um an das Leiden Christi zu gedenken. Leider kommen wir für diese Zeremonie wenige Wochen zu spät.

Erst in einigen Wochen findet hingegen am Canigou, dem heiligen Berg der Katalanen, ein ganz besonderes Spektakel statt. An diesem östlichsten Gipfel der Pyrenäen wird in der Nacht zum Johannistag (vom 23. auf den 24. Juni) ein Feuer angezündet. Dieses Johannisfeuer (Focs de Sant Joan) wird seit 1955 dort entflammt und zu den umliegenden Dörfern getragen. Während der Francodiktatur galt dies als Hoffnungszeichen für die geflohenen spanischen Katalanen.

Donnerstag, 15. Mai 2014

L'amour passe par l'estomac (2)

Bei unserer kulinarischen Suche nach der katalanischen Identität sind wir auf den Geschmack gekommen. Also haben wir uns auf die Suche nach einem katalanischen Restaurant gemacht.
Hiervon gibt es zahlreiche in Perpignan. Unser Reiseführer petit futé, eine Art französischer Lonely Planet, empfiehlt vor allem das Dom Miquel. Direkt hinter dem Palais des Congrès et des Expositions hat man sich hier auf katalanische Küche spezialisiert. Auf die Frage, ob sie sich denn als Katalanin fühle, lacht die Kellnerin Marlen und erklärt, dass sie ursprünglich aus Brasilien stamme und katalanisch nur ein bisschen kann, da einige ihrer Freunde es sprechen.

Allerdings kann sie uns beraten, welches der angebotenen Gerichte die katalanische Küche am besten vertritt. Auf ihre Empfehlung hin entscheiden wir uns für Fideuà, eine Art katalanische Paella mit kleinen Nudeln und Meeresfrüchten. Nach diesem hervorragenden Hauptgang entscheiden wir uns beim Nachtisch für eine eher unkatalanische Tarte au Citron; leider war Creme Catalan grade aus.

Zwar haben wir auf unserer kulinarischen Suche fündig geworden und haben viel über katalanische Küche gelernt, allerdings ist uns auch klar geworden, dass dies nicht ausreicht, um von einer Identität zu sprechen. Wir fragen die Köchin des Restaurants, was sie dazu meint. Sie meint, dass es in Frankreich nur noch in den Dörfern wirkliche Katalanen gibt. Unsere Kellnerin Marlen, die das Gespräch mitbekommen hat, stimmt zu und schwärmt von den alten Menschen, die in Le Perthus vor den Häusern sitzen und abends Tee trinken und katalanisch reden. Vielleicht werden wir es auch noch dorthin schaffen.

Dienstag, 13. Mai 2014

L'amour passe par l'estomac (1)



L'amour passe par l'estomac, naja, so direkt lässt sich das deutsche Sprichwort zwar nicht übersetzen, aber was gemeint ist, ist klar. Aber kann man das gleiche auch von Identität behaupten? Fühlt man sich einer Gruppe zugehörig, weil man das gleiche isst? Wir haben uns in Perpignan auf die Suche gemacht.
Katalanisches Essen lässt sich in Perpignan gut finden. Unsere Gastmutter Valérie empfiehlt uns den Delikatessenladen Confiserie du Tech, der sich seit 1964 auf regionale Produkte spezialisiert hat und diese auch selbst produziert.
Aurélie, die nette Verkäuferin, berichtete uns, dass katalanische Delikatessen oft aus Schweinefleisch bestehen in Form von Schinken oder hausgemachter Wurst.
Aber auch süße Spezialitäten sind hoch im Kurs, die zuckerüberzogenen Kringel, Rosquilles genannt, sind etwas für den süßen Zahn.
Zu guter Letzt wurde uns von Aurélie noch der Muscat empfohlen. Da ist ein besonders gehaltvoller Wein, der traditionell in einer interessanten Aufmachung gereicht wird. Die Flasche ähnelt einer Wunderlampe mit zwei Öffnungen. Oben ist sie mit einem Korken und zusätzlich an beiden Öffnungen mit Wachs versiegelt. Traditionell wird der Muscat nicht aus der mit dem Korken verschlossenen Öffnung getrunken, der echte Katalane trinkt seinen Muscat aus der kleinen spitzzulaufenden Öffnung.


Sonntag, 11. Mai 2014

Place d'identité?

Wir machen uns auf die Suche nach der katalanischen Identität in Perpignan. Die Hauptstadt des südfranzösischen Départements Pyrénées-Orientales in der Region Languedoc-Roussillon gilt als katalanische Hochburg in Frankreich. Die Straßenschilder sind zweisprachig und mehr und mehr Perpignanaise sprechen wieder katalanisch. Nichtsdestotrotz scheint es, anders als in der Autonomen Region Katalonien in Spanien, keine Bestrebungen nach Unabhängigkeit zu geben. Gibt es überhaupt eine katalanische Identität in Perpignan?
Unsere Suche beginnt, wo sonst, auf dem Place Catalogne. Doch wer einen mit stolzen Fahnen behängten Platz erwartet, der ein Zeichen im SinKatalanismus setzt, hat weit gefehlt. Palmen säumen einen Platz, der wie viele in Perpignan aussieht und nur dadurch heraussticht, dass das geschichtsträchtige Kaufhaus Aux Dames de France hier beheimatet ist. Eine katalanische Flagge ist allerdings nirgend zu sehen.
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Aber auch das französische Pendant, der Place de la République ist kein Ort der ausgeprägten Frankophonie. Die einzige Flagge, die hier weht, ist die Europaflagge und diese, so vermuten wir, wurde nicht von EU-Enthusiasten aufgehängt, sondern soll an die kommende Europawahl erinnern.

Nichtsdestotrotz haben wir die Suche nach der katalanischen Identität in Perpignan noch nicht aufgegeben und werden weitersuchen!

Freitag, 9. Mai 2014

la commémoration du 8 mai à Perpignan

Wie im ganzen Land wird auch in Perpignan am 8. Mai dem Ende des zweiten Weltkriegs gedacht. Zahlreiche Veteranen, VIPs (so zum Beispiel der Bürgermeister Perpignans Jean-Marc Pujol) und viele Schaulustige nehmen an der Commémoration teil. Der Höhepunkt der Zeremonie ist eine Flamme, die in Gedenken an den unbekannten Soldaten, wie im ganzen Land, entflammt wird.
In Perpignan geschieht das alles vor dem Palais des Congrès, der mit Tricolore-Flaggen geschmückt ist. Mehr als 80 Flaggen zählen wir, und nicht eine einzige katalanische (la senyera) ist in Sicht. Aber die steht an so einem Tag sicher auch nicht im Vordergrund.
Mehr zur Geschichte Perpignans während des Zweiten Weltkriegs findet man hier: http://pyreneescatalanes.free.fr/Histoire/Guerre39451.php (französisch)