Dienstag, 27. Mai 2014
Sonntag, 25. Mai 2014
Interview avec une vraie catalane
Unser Gastbruder Noé empfiehlt uns mit seiner Katalanischlehrerin zu reden, wenn wir mehr über katalanische Kultur erfahren wollen. Sie sei eine vraie catalane und wisse alles darüber, meint er.
Gesagt, getan. Wir treffen uns mit ihr in einem Café in der Innenstadt. Auf unsere Frage warum es in Frankreich keine katalanische Unabhängigkeitsbewegung gebe, erklärt sie, dass man in Perpignan weitaus größere Probleme habe: Hohe Arbeitslosigkeit und Probleme mit Migranten seien wichtiger als ein Streben nach Unabhängigkeit. Auch glaubt sie, dass die meisten Katalanen in Frankreich gar keinen eigenen Staat haben, sondern Teil Frankreichs bleiben wollen.
Wir haken nach und wollen wissen, wie es denn mit der katalanischen Identität stehe. Die sei nach wie vor vorhanden, sagt sie. Als Beispiel nennt sie die weite Verbreitung des katalanischen Essens und der Sprache. So gibt es katalanischen Unterricht in den Schulen, Lese- und Gesangsveranstaltungen in der lokalen Bibliothek und man entdecke überall in der Region katalanische Flaggen.
Allerdings sei es in Zeiten von Globalisierung und dem Zusammenwachsen Europas immer schwieriger, lokale und regionale Identitäten aufrecht zu erhalten. Sie nennt als Beispiel den Einzelhandel in Perpignan: Die lokalen kleinen, häufig katalanischen, Läden schließen und werden durch Franchiseunternehmen ersetzt. So, meint sie bestürzt, würde eine regionale Identität nach und nach verschwinden – erst Recht in den Städten. In den Dörfern sehe die Welt noch anders aus. Hier finde man noch viele ältere, die sich auf Bänken oder vor ihren Häusern treffen und katalanisch reden.
Gesagt, getan. Wir treffen uns mit ihr in einem Café in der Innenstadt. Auf unsere Frage warum es in Frankreich keine katalanische Unabhängigkeitsbewegung gebe, erklärt sie, dass man in Perpignan weitaus größere Probleme habe: Hohe Arbeitslosigkeit und Probleme mit Migranten seien wichtiger als ein Streben nach Unabhängigkeit. Auch glaubt sie, dass die meisten Katalanen in Frankreich gar keinen eigenen Staat haben, sondern Teil Frankreichs bleiben wollen.
Wir haken nach und wollen wissen, wie es denn mit der katalanischen Identität stehe. Die sei nach wie vor vorhanden, sagt sie. Als Beispiel nennt sie die weite Verbreitung des katalanischen Essens und der Sprache. So gibt es katalanischen Unterricht in den Schulen, Lese- und Gesangsveranstaltungen in der lokalen Bibliothek und man entdecke überall in der Region katalanische Flaggen.
Allerdings sei es in Zeiten von Globalisierung und dem Zusammenwachsen Europas immer schwieriger, lokale und regionale Identitäten aufrecht zu erhalten. Sie nennt als Beispiel den Einzelhandel in Perpignan: Die lokalen kleinen, häufig katalanischen, Läden schließen und werden durch Franchiseunternehmen ersetzt. So, meint sie bestürzt, würde eine regionale Identität nach und nach verschwinden – erst Recht in den Städten. In den Dörfern sehe die Welt noch anders aus. Hier finde man noch viele ältere, die sich auf Bänken oder vor ihren Häusern treffen und katalanisch reden.
Nachdenklich über ihre Bemerkungen sind wir froh, dass unser Gastbruder den Kontakt für uns hergestellt hat.
Freitag, 23. Mai 2014
Dancer l'identité: Sardana (2)
Als wir unserer Gastfamilie von unseren Recherchen zum Sardana, dem traditionellen katalanischen Tanz, erzählen, berichtet unser neunjähriger Gastbruder, dass er den Sardana-Tanz in der Schule gelernt hat und bald einen Tanzauftritt im Palais des rois de Majorque, dem Palast der Könige von Mallorca, haben wird. Er fragt uns, ob wir Lust haben mitzukommen, ein Angebot das wir sehr gerne annehmen.Um 10 Uhr morgens treffen wir am Palast ein und stoßen bei atemberaubender Kulisse auf viele neugierig wartende Eltern, Großeltern und Touristen. Unterschiedliche Klassen von zwei Schulen wollen unter Beweis stellen, was sie in den letzten Monaten gelernt haben: Sardana tanzen.
Hierzu haben die teilnehmenden Schüler sich in traditionelle Schale geworfen: Sie tragen die barretina, eine Kopfbedeckung, die faixe (Gürtel) und die bigatanes, spezielle Tanzschuhe. Sogar eine cobla, die traditionelle Kapelle aus elf oder zwölf Blasinstrumenten, begleitet die Tanzenden. Besonders beeindruckend ist der flabiol Spieler, der neben der traditionellen Einhandflöte gleichzeitig auf dem Tambori den Rhytmus angibt. Die Stücke sind alle von den Musikern selbst komponiert und einer hat erst kürzlich hierfür als erster aus Perpignan eine wichtige Auszeichnung erhalten.Zunächst laufen alle in einer Art Galopp ein und positionieren sich in Kreisen. Mädchen und Junge im Wechsel wird sich nun an den Händen gefasst gemeinschaftliche getanzt. Das erinnert zunächst ein bisschen an den Tanz, den man zum deutschen Schlager "Dschinghis Khan" des öfteren sieht, wird aber zunehmend komplexer. Zum Schluss werden auch die Eltern und anderen Begleiter eingeladen mitzutanzen, sodass auch wir zu unserer ersten Sardana-Tanzstunde kommen.
Montag, 19. Mai 2014
Dancer l'identité: Sardana (1)
Identität kann auch getanzt werden. Der traditionelle Tanz
der Katalanen heißt Sardana. Er wird
mindestens seit dem 16. Jahrhundert getanzt und ist vor allem in den
Abendstunden ab und zu in der Innenstadt Perpignans zu sehen.
Sardana gibt es in
unterschiedlichen Variationen, die Teilweise sehr komplex sind. Meist trägt man
dazu die bigatanes, spezielle
Tanzschuhe. Im spanischen Teil Kataloniens war der Sardana zu Zeiten Francos als katalanisches Symbol sogar verboten.
Musikalisch begleitet wird der Tanz von der cobla,
einer 11 oder 12-köpfigen Blaskapelle.
Praktische Einblicke in die Welt des Sardana (aber auf der spanischen Seite Kataloniens) bietet ein unterhaltsames
Video des Auslandsjournals:
Samstag, 17. Mai 2014
Procession de la Sanch et Focs de Sant Joan
Auf die Frage nach traditionellen katalanischen Festen weist
uns unsere Gastmutter darauf hin, dass wir grade zum falschen Moment in
Perpignan angekommen sind. So findet unsere Reise in der katalanischen Hochburg
Frankreichs genau zwischen den zwei großen katalanischen Festen statt.
Begeistert schwärmt sie von dem Osterzeremonie, dem wohl
größten Touristenspektakel in Perpignan. Wir haben darüber schon etwas
im Deutschlandradio gehört: In Ku-Klux-Klan ähnlichen Spitzkappen (genannt Capatrutxa) laufen mehr als 1 000
Teilnehmer durch die Straßen Perpignans bis zur Kathedrale, um an das Leiden
Christi zu gedenken. Leider kommen wir für diese Zeremonie wenige Wochen zu
spät.
Erst in einigen Wochen findet hingegen am Canigou, dem heiligen Berg der Katalanen,
ein ganz besonderes Spektakel statt. An diesem östlichsten Gipfel der Pyrenäen
wird in der Nacht zum Johannistag (vom 23. auf den 24. Juni) ein Feuer
angezündet. Dieses Johannisfeuer (Focs de Sant Joan) wird seit 1955 dort entflammt und zu den umliegenden Dörfern
getragen. Während der Francodiktatur galt dies als Hoffnungszeichen für die
geflohenen spanischen Katalanen.
Donnerstag, 15. Mai 2014
L'amour passe par l'estomac (2)
Bei unserer kulinarischen Suche nach der katalanischen
Identität sind wir auf den Geschmack gekommen. Also haben wir uns auf die Suche
nach einem katalanischen Restaurant gemacht.
Hiervon gibt es zahlreiche in Perpignan. Unser Reiseführer petit
futé, eine Art französischer Lonely Planet, empfiehlt vor allem das Dom Miquel. Direkt hinter dem Palais des Congrès et des Expositions
hat man sich hier auf katalanische Küche spezialisiert. Auf die Frage, ob sie
sich denn als Katalanin fühle, lacht die Kellnerin Marlen und erklärt, dass sie
ursprünglich aus Brasilien stamme und katalanisch nur ein bisschen kann, da einige
ihrer Freunde es sprechen.
Allerdings kann sie uns beraten, welches der angebotenen
Gerichte die katalanische Küche am besten vertritt. Auf ihre Empfehlung hin
entscheiden wir uns für Fideuà, eine Art katalanische Paella mit kleinen Nudeln
und Meeresfrüchten. Nach diesem hervorragenden Hauptgang entscheiden wir uns
beim Nachtisch für eine eher unkatalanische Tarte
au Citron; leider war Creme Catalan grade aus.
Zwar haben wir auf unserer kulinarischen Suche fündig
geworden und haben viel über katalanische Küche gelernt, allerdings ist uns
auch klar geworden, dass dies nicht ausreicht, um von einer Identität zu
sprechen. Wir fragen die Köchin des Restaurants, was sie dazu meint. Sie meint,
dass es in Frankreich nur noch in den Dörfern wirkliche Katalanen gibt. Unsere
Kellnerin Marlen, die das Gespräch mitbekommen hat, stimmt zu und schwärmt von
den alten Menschen, die in Le Perthus vor den Häusern sitzen und abends Tee
trinken und katalanisch reden. Vielleicht werden wir es auch noch dorthin
schaffen.
Dienstag, 13. Mai 2014
L'amour passe par l'estomac (1)
L'amour passe par
l'estomac, naja, so direkt lässt sich das deutsche Sprichwort zwar nicht
übersetzen, aber was gemeint ist, ist klar. Aber kann man das gleiche auch von
Identität behaupten? Fühlt man sich einer Gruppe zugehörig, weil man das
gleiche isst? Wir haben uns in Perpignan auf die Suche gemacht.
Katalanisches Essen lässt sich in Perpignan gut finden.
Unsere Gastmutter Valérie empfiehlt uns den Delikatessenladen Confiserie du Tech, der sich seit
1964 auf regionale Produkte spezialisiert hat und diese auch selbst produziert.
Aurélie, die nette Verkäuferin, berichtete uns, dass
katalanische Delikatessen oft aus Schweinefleisch bestehen in Form von Schinken
oder hausgemachter Wurst.
Aber auch süße Spezialitäten sind hoch im Kurs, die zuckerüberzogenen
Kringel, Rosquilles genannt, sind
etwas für den süßen Zahn.
Zu guter Letzt wurde uns von Aurélie noch der Muscat
empfohlen. Da ist ein besonders gehaltvoller Wein, der traditionell in einer
interessanten Aufmachung gereicht wird. Die Flasche ähnelt einer Wunderlampe mit
zwei Öffnungen. Oben ist sie mit einem Korken und zusätzlich an beiden
Öffnungen mit Wachs versiegelt. Traditionell wird der Muscat nicht aus der mit dem
Korken verschlossenen Öffnung getrunken, der echte Katalane trinkt seinen Muscat
aus der kleinen spitzzulaufenden Öffnung.
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